Aachen (fn-press). Nach langem Warten stand es fest: Daniel Deußer und Killer Queen VDM sind die Sieger im Großen Preis des CHIO Aachen 2021! Die beiden mussten als erstes Paar ins Stechen, blieben fehlerfrei und mussten danach noch sechs Ritte abwarten, bis das Ergebnis feststand. Kein anderes Paar kam so schnell und obendrein noch ohne Fehler durch den Stechparcours. Es ist der erste Sieg für den Weltranglistenersten in dieser prestigeträchtigen Prüfung. Die elfjährige Killer Queen blieb bei all ihren Starts beim diesjährigen CHIO ohne Abwürfe und wurde als bestes Pferd des Turniers ausgezeichnet. Platz zwei belegte der erst 20-Jährige US-Amerikaner Brian Moggre mit Balou du Reventon vor dem Belgier Gregory Wathelet mit Nevados S. Nur diese drei Paare waren in allen drei Umläufen ohne Abwürfe geblieben.


Die Tränen liefen bei Killer Queens Pfleger Sean Lynch in dem Moment, als der Sieg feststand. Mit einer Hand streichelte er den Hals der Stute, mit der anderen wischte er sich über die Augen, während ihm zahlreiche Menschen anerkennend auf die Schultern klopften. Währenddessen eilte sein ?Chef? schon zum ZDF-Interview. ?Ich bin noch ein bisschen sprachlos. Mein Pferd war die ganze Woche in phantastischer Form. Aber als erster Starter ins Stechen zu gehen ist nicht einfach. Heute hatte ich das Quäntchen Glück, dass der ein oder andere Reiter Fehler gemacht hat. Man will natürlich nicht, dass es bei den anderen schiefgeht, aber man will auch gewinnen?, sagte Daniel Deußer strahlend und überglücklich.


Für ihn, seine Stute und ihren Pfleger ist es wie der krönende Abschluss einer langen Reise. Im Juli ging es für das Trio zu den Olympischen Spielen nach Tokio, wo eben dieses Quäntchen Glück gefehlt hatte. Lynch betreute die Springpferde auf den langen Flügen. Nach der Rückkehr aus Japan verzichtete Deußer in Abstimmung mit Bundestrainer Otto Becker auf einen Start bei der EM in Riesenbeck. Im Nachhinein die richtige Entscheidung, denn in der Aachener Soers zeigte sich die elfjährige belgische Stute (von Eldorado v. Zeshoek ? For Pleasure) frisch und munter, blieb Doppel-Null im Nationenpreis am Donnerstag.


Als er zur Siegerehrung ritt, wirkte Deußer noch immer, als könne er kaum fassen, dass er sich gerade auf der Siegertafel neben Reitsport-Legenden wie Fritz Thiedemann, Hans Günter Winkler, Ludger Beerbaum, Marcus Ehning und auch Bundestrainer Otto Becker verewigt hat. Dieser hatte 2000 mit Cento den Großen Preis von Aachen gewonnen und war voll des Lobes für Deußer: ?Alle Runden, die er und Killer Queen diese Woche hier abgeliefert haben, waren grandios, auch schon im Nationenpreis. Die drei Runden heute waren einfach toll, auf den Punkt. Und dann auch noch mit der ungünstigsten Ausgangsposition als erster Reiter im Stechen. Das hätte er nicht besser machen können, Hut ab. Daniel ist der verdiente Sieger, er war jetzt einfach dran.?


In den vergangenen Jahren war Deußer schon mehrere Male kurz davor gewesen, sich diesen Traum zu erfüllen. ?Natürlich möchte jeder auf dieser Tafel am Eingang stehen. Ich habe es schon mehrere Male probiert, war zweimal im Stechen Vierter, zweimal Zweiter. Ich kann es noch nicht fassen, dass es jetzt geklappt hat. Mit dem Publikum in Aachen, hier zu Hause in Deutschland, ist das ein ganz besonderer Moment?, sagte der 40-Jährige während der Siegerehrung und wusste genau, bei wem er sich bedanken musste: ?Killer Queen ist ein Pferd mit einem riesigen Galopp, der Platz liegt ihr und sie liebt die Soers. Schon vor drei Jahren hat sie hier die Youngster Tour gewonnen, vor zwei Jahren den Preis von NRW. Sie ist ein phantastisches Pferd. Vielen Dank, Killer Queen!?.


Sieben Paare hatten das Stechen erreicht, darunter auch die Olympiasieger, der Brite Ben Maher und Explosion W sowie die belgischen Team-Bronze-Gewinner Jérôme Guery mit Quel Homme de Hus und Grégory Wathelet mit Nevados S. Doch keines dieser Paare schaffte es zugleich fehlerfrei und schneller als Deußer (41,85sec) durch den Stechparcours. Zum Schluss hatte es nur noch der erst 20-jährige US-Amerikaner Brian Moggre mit dem OS-Hengst Balou du Reventon (von Cornet Obolensky ? Continue) in der Hand. Die beiden blieben zwar fehlerfrei, doch ihre Zeit von 42,16 Sekunden reichte ?nur? für Platz zwei. ?Am Ende war es vielleicht gut als erster zu starten, um Druck auf die anderen auszuüben. Heute bin ich der glücklichste Mensch auf der Welt. Es ist ein Traum, der wahr wird. Wir hatten hier ein tolles Turnier, auch wenn nur 50 Prozent der Zuschauer dabei sein durften. Danke an die Veranstalter, die das überhaupt möglich gemacht haben“, sagte Deußer später.


Im ersten Umlauf waren auch die jungen deutschen Reiter mit ihren Pferden fehlerfrei geblieben. Zum einen der U21-Europameister von 2019, der 22-jährige Philipp Schulze Topphoff (Havixbeck) mit Concordess NRW. Leider unterliefen den beiden im zweiten Umlauf zwei Fehler. Sie belegten mit acht Strafpunkten einen respektablen 13. Platz bei ihrem ersten Auftritt im Großen Preis von Aachen. Knapp davor platzierten sich die EM-Vierten Christian Kukuk (Riesenbeck) und Mumbai. Sie kassierten in beiden Umläufen jeweils einen Abwurf. Wie Schulze Topphoff feierten auch Gerrit Nieberg (Sendenhorst) und sein Westfale Ben ihr Debüt in dieser prestigeträchtigen Prüfung. Nach ihrem fehlerfreien Auftritt im ersten Durchgang kamen sie mit nur einem ärgerlichen Abwurf gleich am ersten Sprung durch den zweiten Umlauf und wurden letztlich Neunte. Christian Ahklmann (Marl) und Clintrexo Z wurden mit 16 Strafpunkten im zweiten Umlauf 17. Sechs weitere Paare hatten sich zuvor für den Großen Preis qualifiziert. Ein gutes Zeichen, meinte der Bundestrainer: ?Wir haben dieses Jahr ganz bewusst auf die Jugend gesetzt und eine junge Truppe für Aachen nominiert, die auch schon bei den Nationenpreisen vorher gezeigt haben, was sie können. Das haben sie bestätigt. Diesen Leuten gehört die Zukunft. Aber sie müssen auch auf dem Niveau in Aachen reiten und lernen. Dass sich fast alle für den Großen Preis qualifiziert haben, war sehr erfreulich.?   jbc


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