Kreuth (fn-press). Die Deutsche Juniorenmeisterschaft Vielseitigkeit ist entschieden. Die neue und alte Deutsche Meisterin der Jungen Reiter heißt Anna Lena Schaaf, bei den Junioren sicherte sich Nane Nikolaus Dehn aus Schwesing die Goldmedaille.


Nach der Dressur und einem konditionell anspruchsvollen Geländeritt fiel die Entscheidung schließlich im Springen. Bei den Junioren trennte kein Abwurf die acht führenden Paare nach den ersten beiden Teilprüfungen. Und nur vier Paaren gelang es, den Parcours nicht nur ohne Hindernisfehler, sondern auch ohne Zeitfehler zu absolvieren. Unter ihnen Nane Nikolaus Dehn und Zilia D. Zwar mussten die Zuschauer zwei Mal die Luft anhalten, doch alle Stangen blieben bis zum Schluss liegen. ?Im Springen ging sie super, sie war super heiß. Als ich reingeritten bin, nach den ersten beiden Sprüngen, wusste ich schon, dass wir das heute hier gut zu Ende bringen. Die Zeit war ein bisschen eng, aber Zilia D hat einen so großen Galopp, da hatten wir eigentlich noch nie Probleme?, sagte Dehn. Nach Dressur waren er und seine 14-jährige, von Großvater Friedrich Dehn gezogene Holsteiner Schimmelstute (v. Corland ? Mytens xx) noch Vierte gewesen und hatten im Gelände bereits einen Platz gutgemacht. Am Ende gab die Nullrunde im Parcours den Ausschlag ? nur 27,3 Minuspunkte schlugen für das Paar zu Buche. Wie schon beim Preis der Besten hieß der Sieger Nane Nikolaus Dehn. Für den 17-jährigen Schüler war es der zweite Start bei einer Deutschen U18-Meisterschaft.


Auch sie blieben am Ende fehlerfrei im Springen und landeten mit insgesamt 29,5 Minuspunkten auf dem Silberrang: Viktoria Weyers (Rhede) und Lariostea H ?Springen ist nicht meine Lieblingsdisziplin, aber ich bin selbstbewusst in den Parcours gegangen und habe mir gesagt: ‚Komm, wir geben unsere Bestes‘. Und meine Stute sprang schon auf dem Vorbereitungsplatz gewaltig, richtig mit Herz, das war wunderbar?, sagte die 17-jährige Abiturientin aus Rhede. ?Es ist mein letztes Juniorenjahr, deshalb ist der Erfolg hier umso cooler.? Viktoria Weyers gehört zu den vielen Nachwuchsreitern, die ihren Weg in den Sport über die Goldene Schärpe und Bundesnachwuchschampionat zur Deutschen Meisterschaft gefunden haben. ?Ich reite schon seit Ewigkeiten und mache das mit Leidenschaft?, sagte sie. Ihr Pferd Lariostea H, eine elfjährige Westfalenstute von Lissaro van de Helle ? Tagel xx stammt aus Zucht von Hans Hoffrogge und wurde von Jens Hoffrogge in den Sport gebracht.


Auf dem Bronzerang landeten Luke Vogelsänger aus Horn-Bad Meinberg und seine Holsteiner Stute C?est Evie. Als ?Overnightleader? waren sie als Letzte ins Springen gestartet. Ein ?Netzroller? am dritten Sprung verhinderte allerdings den Titelgewinn. ?Sie ist trotzdem super gesprungen, ein Fehler ist schnell passiert und die anderen haben es genauso verdient?, sagte der 17-Jährige, der in Kreuth seine zweite Deutsche Meisterschaft bestritten hat. Im letzten Jahr in Luhmühlen sei er da so etwas reingerutscht, sagte Luke Vogelsänger. In diesem Jahr kamen er und C?est Evie, die bereits seit sechs Jahren ein Paar sind, nocj besser vorbereitet nach Kreuth. ?Die Dressur war ja immer das, wo es ein bisschen gehapert hat, aber wir haben in den Wochen davor viel geübt und wir haben auch ausdauermäßig wirklich viel trainiert, mit Konditionstraining am Berg und so?, berichtete Vogelsänger, der sich zusätzlich zur Medaille über einen Sonderpreis freuen des Clubs Deutscher Vielseitigkeitsreiter (CDV) freuen durfte, mit dem derjenige Reiter ausgezeichnet wurde, der im Gelände am dichtesten an die erlaubte Zeit herangekommen war. Sieben Minuten und 33 Sekunden waren vorgegeben ? und dies war auch genau die Zeit, in der Luke Vogelsänger und C?est Evie ins Ziel gekommen waren. Das Endergebnis des Paares lautete 30,3 Minuspunkte.


Auf dem vierten und fünften Platz der DM landeten Linus Weiß (18, Möglingen) mit dem zwölfjährigen Hannoveraner Astrello (v. Asti?s Amsterdam) beziehungsweise die erst 16-jährige Hanna Jensen (Tetenhusen) mit der neunjährigen Holsteiner EH Clara (v. Clarimo). Pech hatte dagegen ihre schleswig-holsteinische Teamkollegin Kaya Thomsen (Lindewitt) gehabt. Die Tochter von Mannschaft-Olympiasieger Peter Thomsen hatte mit Horseware?s Barny nach Dressur geführt, war allerdings im Gelände ausgeschieden.


Insgesamt nahmen 32 Paare an den Junioren-Meisterschafteil teil, 27 beendeten die DM in Wertung.


Vierter DM-Titel für Anna Lena Schaaf

Nicht minder aufregend wie bei den Junioren war das Springfinale der Jungen Reiter. Mit jedem Ritt stieg die Spannung und für die nach Dressur und Gelände führenden Anna Lena Schaaf und ihre 14-jährige Rheinländer Stute Fairytale (v. Fidertanz ? Laurentianer) hieß es, Nerven behalten, um ihren Start-Ziel-Sieg nicht noch zu gefährden (Endstand 26,2 Minuspunkte). Denn ihre direkten Verfolger hatten bereits Nullrunden im Parcours vorgelegt. ?Fine hätte nicht besser springen können! Sie war gestern nach dem Gelände schon sehr gut drauf, hatte super Laktatwerte, besser sogar als nach der Kurzprüfung in Radolfzell?, sagte die alte und neue Meisterin. ?Ich glaube, das Wichtigste ist, sich selbst nicht verrückt zu machen. Und dass man ein Team um sich hat, das einen nicht auch noch nervös macht?, sagte sie und gestand: ?Ich war in dieser Hinsicht immer schon eher gelassen.? Für die 19-jährige Rheinländerin, Mitglied der Warendorfer Perspektivgruppe Vielseitigkeit, ist es bereits der vierte Titel in Folge. 2018 und 2019 gewann sie mit Fairytale bei den Junioren, im vergangenen Jahr wiederholte sie mit Fairytales Tochter Debby diesen Erfolg bei ihrer U21-Premiere. Zusätzlich zur Goldmedaille durfte auch Anna Lena Schaaf den Sondererehrenpreis des CDV in Empfang nehmen. 


Neuer U21-Vizemeister ist der Schleswig-Holsteiner Ben Philipp Knaak mit einem Endstand von 30,0 Minuspunkten. ?Ich kann das noch gar nicht realisieren?, sagte der 19-Jährige, der in Kreuth seine erste Deutsche U21- Meisterschaft bestritten hat. Auch für ihn hieß es am Ende, im Parcours fehlerfrei zu bleiben. ?Das war richtig spannend. Aber es ist alles nach Plan aufgegangen. Ich habe gedacht, ich mache jetzt den Kopf frei und mache mein Ding. Ich bin super glücklich?, sagte der 19-Jährige, der seit einigen Monaten fest am Bundesstützpunkt in Warendorf stationiert ist, um sich auf die Saison vorzubereiten.? Dass es am Ende mit Silbermedaille geklappt, verdankte er auch dem Pech der nach Dressur und Gelände zweitplatzierten Finja Timm aus Neuffen. Bis zum letzten Sprung sah es aus, als könnte die Baden-Württembergerin mit ihrer Stute Cox Orange ihre erste nationale Medaille gewinnen, doch dann kam der Fehler und Timm fiel auf Platz sechs zurück.


Auf dem Bronzerang landete mit 31,2 Minuspunkten die Vorjahres-Juniorenmeisterin Greta Busacker (Münster) mit ihrem Oldenburger Scrabble OLD, die nach der Dressur noch Zweite war, nach dem Gelände jedoch auf Platz vier zurückgefallen war. Im Springen rückten sie dank einer Nullrunde in die Medaillenränge vor. ?Es ist meine allererste lange Drei-Sterne-Prüfung, da bin ich schon stolz, dass es mit den Bergen und einem anspruchsvollen Gelände so gut geklappt hat. Wir sind mit einer tollen Dressur angefangen, auch wenn es sicher hier und da noch was zu verbessern gibt. Im Gelände haben wir bis zum Ende gekämpft. Da hatte ich schon Respekt davor, aber meine Mutter hat gesagt, dass ich auf mein Bauchgefühl hören soll?, sagte die 18-Jährige und widmete ihre Medaille ihrer Mutter Ingrid Klimke, die verletzungsbedingt derzeit immer noch sportlich pausieren muss.


Die Plätze vier und fünf bei den Jungen Reitern gingen an Ann-Cathrin Bierlein (Warendorf) mit Sir Scotty beziehungsweise Paula Reinstorf (Neustadt) mit Ilara W. Insgesamt gingen bei den Jungen Reitern 29 Paare an den Start, von denen ebenfalls 27 die DM in Wertung beendeten.


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