Egestorf (fn-press). ?Guter Boden, gute Hindernisse, eine gefällige Linienführung und ein kalkulierbares Niveau?. Das wünschen sich die Vielseitigkeitsreiter von einem gelungenen Turnier. Der Schlüssel zum Erfolg ist dabei eine gute Kommunikation und Kooperation zwischen Aktiven, Veranstaltern und Parcourschefs ? und dies nicht erst während des Turniers. Das war das Fazit des Veranstalters-Forums auf Hof Sudermühlen in Egestorf, zu dem die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) zusammen mit dem Club Deutscher Vielseitigkeitsreiter eingeladen hatte.


Wie im Springsport müssen sich deutsche Veranstalter auch in der Vielseitigkeit heute der Konkurrenz aus dem Ausland stellen. Während die Zahl deutscher Starts auf internationalen Vielseitigkeitsturnieren im In- und Ausland seit Jahren konstant bei etwa 2.500 liegt, sind die Starts auf internationalen Turnieren in Deutschland rückläufig. Das heißt, deutsche Reiter starten vermehrt auch im Ausland, gleichzeitig wird die Zahl ausländischer Teilnehmer auf deutschen Turnieren aber nicht größer.


Der Geländeaufbau ist entscheidend

Worauf Veranstalter achten sollten, um deutsche Reiter zu halten und neue Teilnehmer dazuzugewinnen, zählte Mannschafts-Olympiasieger Peter Thomsen, selbst Turnierveranstalter in Großenwiehe, auf: ?Guter Boden, gute Hindernisse, eine gefällige Linienführung und ein kalkulierbares Niveau?. Auch wenn nicht überall ideale Bedingungen herrschten, sollten die Bemühungen des Veranstalters erkennbar sein, alles dafür zu tun, so Thomsen. ?Was den Geländeaufbau betrifft, erleben wir aber immer wieder, dass in die eine oder andere Richtung übertrieben wird?, ergänzte Andreas Dibowski. Der amtierende Mannschaftseuropameister aus Döhle nannte Beispiele. ?In eine E-Vielseitigkeit gehört kein Wassereinsprung, in eine A-Vielseitigkeit keine offene Ecke?, sagte er. Sein Wunsch: mehr Motivation statt Selektion, vor allem in Einsteiger- und Aufbauprüfungen. Damit jegliche Art von Kritik auf fruchtbaren Boden fällt, riet Burkhard Beck-Broichsitter aus Sicht des Parcourschefs, den richtigen Moment dafür zu wählen und diese so sachlich wie möglich vorzutragen. ?Natürlich wird man als Parcourschef gelegentlich betriebsblind. Andererseits neigen die Reiter dazu, einen Kurs immer nur aus dem Blickwinkel des ihres jeweiligen Pferdes oder Schülers zu betrachten?, sagte er.


Bessere Kommunikation dank Reiter-Patenschaften

Einigkeit herrschte darüber, dass das entscheidende Kriterium die gute Kommunikation zwischen allen Beteiligten ist. Dazu passt auch der Vorschlag aus dem Kreis der Kaderreiter, den Veranstaltern beratend zur Verfügung zu stehen. ?Wichtig dabei ist vor allem der Zeitpunkt?, sagte Philine Ganders-Meyer, Vielseitigkeits-Koordinatorin des Deutschen Olympiade Komitees für Reiterei (DOKR). ?früh genug, damit alle Anregungen aus dem Austausch zum Geländeaufbau und Streckengestaltung aber gegebenenfalls auch zum Ablauf oder zur Zeiteinteilung noch umgesetzt werden können.? Interessierte Veranstalter, die eine solche ?Patenschaft? nutzen wollen, können sich bei ihr melden (E-Mail siehe unten). Darüber hinaus legte Philine Ganders-Meyer den Veranstaltern die Lektüre der FN-Broschüre ?Der Geländeaufbau? nahe, die zahlreiche Hinweise zu Konzeption, sicherem Aufbau und Abnahme von Vielseitigkeitsstrecken enthält und im vergangenen Jahr in überarbeiteter Fassung neu aufgelegt wurde.


Kooperation statt Einzelkämpfertum

Die FN unterstützt Veranstalter aber auch ganz praktisch, zum Beispiel mit einem Leih-Pool an deformierbaren MIM-Hindernissen der Klassen L bis Vier-Sterne. Gerade wurde aber auch eine zweite Lochmaschine zur Bodenbearbeitung angeschafft, die ebenfalls von Veranstaltern ausgeliehen werden kann. Wie Kooperationen auf Landesebene aussehen können, beschrieb Landestrainer Karl-Heinz Nothofer am Beispiel Rheinland. Dort erhält die Interessengemeinschaft Vielseitigkeit (IGV) jeweils einen Teil des geringfügig erhöhten Nenngelds aller Veranstalter, woraus beispielsweise Funkgeräte, Bodenanker, Sichtschutz-Screens oder auch ein Anhänger zum Transport von Leihhindernissen angeschafft wurden und den Veranstaltern zur Verfügung gestellt werden. ?Um die Zusammenarbeit zu fördern, stellen wir außerdem das Material für zwei deformierbare Hindernisse zur Verfügung, aber nur, wenn sich zwei Veranstalter dabei zusammentun?, schilderte Nothofer. Nicht zuletzt organisiert die IGV Rheinland Schulungsmaßnahmen für Hindernisrichter und bietet eine Beratung der Veranstalter an.


Die Veranstalter-Forum endete mit einer Podiumsdiskussion, in der verschiedene Veranstalter ? Hambach, Radolfzell, Langenhagen ? ihre Turniere und Konzepte vorstellten und mit den Referenten und den Teilnehmern diskutierten. Hb


Die FN-Broschüre ?Der Geländeaufbau? kann als kostenloser Download oder kostenpflichtige Druckversion über den FN-Shop bezogen werden. 


Kontakt für Reiter-Patenschaften, Leih-Hindernisse und Lochmaschine: Philine Ganders-Meyer ([email protected])